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Booking.com stellt sich als Retter der Gäste dar. Auf Kosten von Hotels und Vermietern von Ferienwohnungen.

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Auf den ersten Blick ist es einfach nur nett: Booking.com sorgt dafür (s.u.), dass Gäste, die wegen Corona nicht reisen können, Ihr Geld zurück bekommen. Auf den zweiten Blick aber gibt Booking damit das Geld anderer Leute aus. Und zwar das Geld von Hotels und Vermietern von Ferienwohnungen. Aber gerade diese habe in der aktuellen Situation jeden Cent an Liquidität bitter nötig. Keine Einnahmen, aber Mieten und die Zinsen laufen trotzdem weiter. Und trotzdem sollen sie nun innerhalb weniger Tage alle erhaltenen Anzahlungen zurückzahlen.

Um über die Runden zu kommen, hatte manches Hotel oder mancher Vermieter gehofft, sich mit den Gästen auf einen Gutschein oder eine Verschiebung der Reise einigen zu können. Das würde den Vermietern zumindest etwas Geld zum Atmen sichern. Hierzu gibt es sogar eine gemeinsame Initiative vom DRV und dem DTV: https://www.welt.de/wirtschaft/article206770081/Corona-Krise-Verschiebe-deine-Reise-die-letzte-Hoffnung-der-Tourismusbranche.html
Booking.com sagt nun aber: „Die Umstände sind höhere Gewalt, also erwarten wir von den Vermietern, dass alle Zahlungen und Anzahlungen zurückgezahlt werden“ (Siehe Screenshot)
Im echten Leben ist die Rechtslage allerdings nicht so einfach, wie Booking.com es darstellt. Je nach Reise-Zeitraum, Buchungszeitpunkt, AGB und Wohnort der Gäste kann eine Verschiebung, ein Gutschein oder sogar eine Storno-Gebühr durchaus in Ordnung sein. (Siehe Linksammlung) Eigentlich hat Booking.com in der Vertragsbeziehung zwischen Vermieter und Gast nichts verloren, denn Booking ist eigentlich nur der Vermittler der Reise und kann daher den Vertrag nicht verändern. Einige Vermieter werden sicherlich gegen Booking klagen, aber bis eine Entscheidung vorliegt, werden diejenigen von uns, die dringend Liquidität benötigen vielleicht gar nicht mehr vermieten.

(Update) AirBnB macht es besser:

Auch AirBnB stellt sich auf die Seite der Gäste, aber die Kommunikation ist deutlich besser und verständnisvoller UND es gibt sogar eine kleine Entschädigung von AirBnB. Und wenn es stimmt, dass wirklich ein Teil der Entschädigung aus Spenden generiert wurde, dann ziehe ich meinen Hut vor dem Management von AirBnB. Hier geht es zur Botschaft des Gründers: https://www.airbnb.de/d/host-message

Stand 24. 3. 2020 auf partner.booking.com/de/hilfe/recht-sicherheit

Kein Booking.com ist auch keine Option

Im Bereich der Hotels kommt Booking.com auf einen Marktanteil der Buchungsportale von 66,4% (Link unten). Im Bereich der Ferienwohnungen wird die Zahl darunter liegen, da es hier mehr Portale gibt und Booking den Markt der Ferienwohnungen erst vor ein paar Jahre entdeckt hat. ABER: Hotels bekommen laut HOTREC lediglich 25% Ihrer Buchungen über Buchungsportale. Bei Ferienwohnungen liegt das (zumindest bei den Kunden von More-Bookings) eher bei 75%. Allerdings sind die Zahlen sicherlich nicht repräsentativ.
Ob Hotel oder Vermieter von Ferienwohnungen: An Booking.com führt momentan schon kein Weg vorbei. Und durch den schlauen Schachzug, sich auf fremde Kosten als besonders gastfreundlich darzustellen, wird Booking seine Marktmacht sicherlich noch weiter ausbauen können. Für uns Vermieter führt das jetzt schon zu laufend steigenden Kosten für Booking (siehe Link am Ende) und ein Ende der Abhängigkeit ist nicht in Sicht.

Es gibt einen Weg, die Marktmacht von Booking wieder etwas zu beschränken. Dieser Weg führt nicht über Umsatz-Einbußen oder höhere Kosten, sondern lediglich über etwas Zeit, die wir einmalig investieren müssen. Und die haben wir ja jetzt vielleicht durch das Corona-Virus. Dieser Weg funktioniert besser, wenn möglichst viele Vermieter von Hotels oder Ferienwohnungen mitspielen. Und vielleicht spart jeder von uns auf dem Weg sogar noch ein paar Provisionen ein.

Der Plan:

  • Der erste Schritt ist, auf mehreren Portalen zu werben. Das machen wir meisten von uns aber ohnehin schon. Und dank unserer Channel-Management-Software ist auch die automatische Aktualisierung der Kalender auf viele Portale kein Problem mehr, nachdem die Anzeigen einmal eingerichtet sind.
  • Der zweite Schritt heißt „Phantom-Buchungen“: Wir alle haben unsere Hauptsaison-Zeiten. Zeiten, in denen wir ohnehin ausgebucht sind. Wenn wir nur diese Zeiträume für Booking.com blockieren, aber für andere Portale und für provisionsfreie Direktbuchungen freigeben, dann verlieren wir keinen Umsatz, aber Booking.com verliert in der nachfragestarken Zeit viele Angebote. Angebote, die auf anderen Portalen verfügbar sind. Es wird nicht lange dauern, bis die Gäste dies merken und lernen, dass sie auch auf anderen Portalen suchen müssen, oder auch mal direkt anfragen.
    Kurzfristig spart uns das lediglich ein paar Provisionen, da die anderen Portale meistens günstiger sind. Aber langfristig können wir durch diese einfache Vorgehensweise dafür sorgen, dass die Gäste lernen, dass die Ergebnisliste von Booking nicht das Gesamt-Universum aller verfügbaren Unterkünfte ist. Wenn wir das geschafft haben, dann werden die Kunden wieder an mehreren Orten Ihre Reisen nachfragen und wir als Vermieter haben es wieder mit einem schön konkurrierenden Pool von Portalen zu tun und nicht mehr mit EINEM Platzhirschen, der mit uns machen kann, was er möchte.
  • Dass wir eine halbwegs vernünftige Homepage haben müssen, auf der die Gäste unsere Preise und freien Zeiten erkennen können und direkt buchen können, ist natürlich ein weiterer wichtiger Baustein um die Macht der Portale zu begrenzen. Dort können unsere eigenen Kontakte und Bestandskunden provisionsfrei buchen, so dass wir immer nur den Erst-Kontakt zu einem neuen Gast teuer über die Portale bezahlen müssen.
  • Hilfreich ist auch ein vernünftiges Kontakt-Management. Bitten Sie den Gast, ihn direkt kontaktieren zu dürfen, wenn er bei Ihnen ist und zufrieden ist. Oder schicken sie ihm zumindest nach dem Aufenthalt eine E-Mail (notfalls über das Buchungsportal) mit einem Dank und einem Gutschein für eine DIREKTE BUCHUNG auf Ihrer Homepage. Die Buchungsportale möchten natürlich, dass der Gast auch einen eventuellen zweiten Aufenthalt bei Ihnen über das Portal bucht. Lassen Sie das nicht zu. Es ist IHR Gast.

Die passende Software zur Umsetzung der oben genannten Maßnahmen wird von zahllosen Anbietern am Markt zu recht übersichtlichen Preisen und teilweise sogar gratis angeboten. Sie nennen sich in Ermangelung einer vernünftigen Bezeichnung „Channel-Manager“ oder „Ferienwohnungs-Verwaltungs-Software“. Fast alle bieten einen Belegungskalender und eine Buchungsmöglichkeit an, die einfach in eine bestehende Homepage integrierbar sind und meistens bekommen Sie dort mit wenigen Klicks auch eine komplette eigene Homepage. Der Austausch der Kalender-Belegungsdaten an die Portale nennt sich „Channel-Management“ und wird auch von fast allen Anbietern angeboten. Die angesprochenen Phantombuchungen werden erst von einigen Anbietern wie More-Bookings angeboten, aber der Rest der Anbieter wird sicherlich bald nachziehen. Wenn Ihr Anbieter noch nicht so weit ist, könnten Sie auch einfach manuell in Booking.com Ihre Hauptsaison sperren. (Sie dürfen dann lediglich nicht vergessen, diese Sperre wieder rauszunehmen, falls kurzfristig doch noch Rest-Lücken in der Hauptsaison vorhanden sind)
Mit der Software werden Ihnen nicht nur wiederkehrende Aufgaben wie Buchungsbestätigungen, Anzahlungs-Aufforderungen, etc abgenommen, sondern Sie können z.B. die Dankes-Mail an Ihren Gast nach dem Aufenthalt (vielleicht sogar mit einem Gutschein für eine Direktbuchung) automatisch vom System verschicken lassen.
Den Versuch einer Übersicht der vorhandenen Software-Anbieter für Ferienwohnungen und kleine Hotels finden Sie hier https://www.more-bookings.com/uebersicht-ferienwohnungs-software/
Fast alle Anbieter bieten zumindest eine kostenlose Testphase oder sogar teilweise eine dauerhafte Gratisnutzung für die erste Wohnung an.

Die Corona-Zeiten, in denen unsere Wohnungen leer stehen, können wir dafür nutzen, unsere Unterkünfte ich möglichst vielen weiteren Portalen zu inserieren. Da fast alle Portale statt einer Jahresgebühr lieber Provisionen auf die vermittelten Buchungen kassieren, ist das erstmal gratis. Kosten fallen erst an, wenn die Gäste wieder buchen. Und die Zeit, uns in die verschiedenen Software-Systeme einzuarbeiten haben wir jetzt auch. Nur eines sollten Sie nicht tun: Viele Plattformen nutzen ohne eine Software. Dann werden Sie irgendwann wahnsinnig.

Seit Jahren beschweren wir uns über die Marktmacht und die steigenden Gebühren von Booking.com. Jetzt ist es an der Zeit, etwas dagegen zu tun. Jeder kann mitmachen. Jede kleine Ferienwohnung, die in der Hauptsaison nicht auf Booking verfügbar ist und dies ihren Gästen erklärt, zählt. Wenn genügend Vermieter mitmachen, haben wir schon fast gewonnen.
Hashtag: #hauptsaisonohnebookingcom

Linksammlung
https://www.deutschertourismusverband.de/service/coronavirus/faq.html
https://www.hotrec.eu/wp-content/customer-area/storage/2a67daccb0e9486218e1a53b48494ab8/European-hotel-distribution-study-final-results-revsl18.pdf
https://www.more-bookings.com/zwingt-booking-com-vermieter-ab-1-september-2019-zu-aufschlaegen-auf-zusatzleistungen/
https://www.welt.de/wirtschaft/article206770081/Corona-Krise-Verschiebe-deine-Reise-die-letzte-Hoffnung-der-Tourismusbranche.html

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